REPOWER

Vertiefungsteil «Kooperation und Innovation»

Gemeinsame Planung:

Arturo Plozza, Gemeindepräsident von Brusio (links), und Giacum Krüger, Leiter Technische Dienste Netz Engadin/Puschlav von Repower, besprechen am Unternehmenshauptsitz in Poschiavo die Zusammenarbeit zwischen der «Azienda Elettrica Comunale Brusio» und Repower.

Im Zeichen der Kontinuität

Vertiefungsthema «Kooperation und Innovation» - Teil 3

Repower als internationales und gleichzeitig in Graubünden verankertes Energieunternehmen arbeitet in Netzkooperationen vermehrt mit nachgelagerten Gemeindewerken zusammen. Als lokale und regionale Stromversorger prägen diese die Bündner Stromlandschaft. Sie sind in ihrem Versorgungsgebiet dafür zuständig, dass bei ihren Kundinnen und Kunden das Licht nie ausgeht, dass die Strassenlampen nachts brennen und die Zähler richtig abgelesen werden. Einblick ins Beispiel des Puschlavs – oder wie jahrzehntelange Zusammenarbeit erfolgreich fortgeführt wird.

Puschlav, 552 bis 3900 m ü. M., 4400 Einwohner, ein Steinwurf von der italienischen Grenze entfernt. Puschlav, das sind Kastanienbäume im Süden und Schneeberge im Norden, das ist Viadukt, italienisches Flair, Steinkeller und eine über 100-jährige Verbundenheit mit der Wasserkraft. Im Puschlav, der südöstlichen Ecke der Schweiz, hat Repower ihre Wurzeln. Direkte Endkunden aber hat sie hier keine. Was paradox klingt, ist historisch gewachsen: Die ehemaligen Kraftwerke Brusio – später Rätia Energie und heute Repower – waren zwar seit ihrer Gründung vor über hundert Jahren für den Bau, den Betrieb und den Unterhalt der Wasserkraftanlagen im Tal zuständig. Die Endversorgung der Puschlaverinnen und Puschlaver mit Strom liegt aber seit jeher im Aufgabenbereich der beiden Gemeinden des Tals – Poschiavo und Brusio. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden lokalen Gemeindewerken und Repower liegt angesichts der engen Verbindung und der Verwurzelung des Unternehmens im Tal auf der Hand.

Was Brusio betrifft, hat diese Zusammenarbeit 2012 eine neue Form angenommen. Damals entschied sich die Gemeinde, ihre Versorgungsaufgaben, die bis dahin über das gemeindeeigene Werk «Azienda Elettrica Comunale Brusio (AECB)» gewährleistet wurden, zu einem grossen Teil an Repower auszulagern. Repower ist seither zuständig für die Planung, den Unterhalt und die Erneuerung der Verteilnetze und Transformatoren auf Gemeinde-gebiet. Der Pikettdienst und die Behebung von Netzstörungen liegen ebenfalls in ihrem Verantwortungsbereich. Der Kundendienst – Zählerablesungen, Installationskontrollen, Rechnungsstellung, Adressänderungen – wird durch den Dienstleister SWiBi, eine Tochtergesellschaft von Repower, gewährleistet. «Repower ist im Rahmen eines Leistungsauftrags für einen Grossteil der operativen Aufgaben der AECB und über SWiBi auch für die Kundenbetreuung verantwortlich. Die Entscheidungshoheit – beispielsweise bei der Festlegung des Stromtarifs im Versorgungsgebiet – bleibt aber voll und ganz bei der Gemeinde», erläutert Giacum Krüger, Leiter Technische Dienste Netz Engadin und Puschlav bei Repower, die enge Zusammenarbeit. Strategische Fragen werden in einer Verwaltungskommission bestehend aus zwei Gemeindevertretern und einem Vertreter von Repower geklärt. Die Verwaltungskommission ist gleichzeitig auch das Kontrollorgan in der Zusammenarbeit.

Was die AECB in Brusio, ist die «Impresa Elettrica Comunale Poschiavo» in der anderen Gemeinde des Tals, in Poschiavo. Auch hier ist die Verbindung zu Repower eng: Ein Teil des Stroms wird der Gemeinde – wie auch in Brusio – in Form von Konzessionsenergie als Abgeltung der Wasserkraftnutzung im Tal geliefert. Die Verteilung über das gemeindeeigene Netz und die Störungsbehebung wird durch Repower gewährleistet. Es wurde ebenfalls eine Verwaltungskommission eingesetzt, welche die Kooperation auf strategischer Ebene definiert und kontrolliert. Für die Rechnungsstellung und den Kundenkontakt bleibt aber die Gemeinde zuständig.«Die beiden Beispiele Brusio und Poschiavo zeigen, dass sich die Zusammenarbeit mit nachgelagerten Werken je nach Bedürfnissen der Gemeinden unterschiedlich gestalten kann. Wichtig ist, dass die Verantwortungsbereiche klar geregelt sind und dass die Kooperation auf Transparenz und ständigem Austausch basiert», so Giacum Krüger, der Repower in beratender Funktion in den Verwaltungskommissionen sowohl in Brusio als auch in Poschiavo vertritt.

Interview mit Arturo Plozza, Gemeindepräsident von Brusio

Warum hat sich die Gemeinde Brusio dafür entschieden, ihre Tätigkeiten im Bereich der Stromversorgung an Repower auszulagern?

Brusio ist im Besitz der Azienda Elettrica Comunale Brusio, die mit einem eigenen Verteilnetz die Stromversorgung auf Gemeindegebiet sicherstellt. Die AECB wurde immer autonom geführt, von einem Verantwortlichen, der sowohl für die technischen wie auch die administrativen Belange zuständig war. Schon immer jedoch wurde auf die betriebliche und personelle Unterstützung von Repower zurückgegriffen. Angesichts der immer strengeren Normen und der zunehmenden Herausforderung, die AECB kompetent sowie rechts- und sicherheitskonform zu führen, hat die Gemeinde Brusio diese Aufgaben in Form eines zeitlich definierten Outsourcing-Vertrags an Repower und SWiBi übertragen. Eigentümerin der Anlagen bleibt jedoch die Gemeinde, die auch über die volle Beschlussfähigkeit verfügt.

Wie wird gewährleistet, dass die Gemeinde Brusio in der Verwaltung der AECB unabhängig bleibt?

Die Gemeinde Brusio bleibt wie erwähnt Besitzerin der gesamten Infrastruktur und der AECB selbst. Die operative Führung und die administrative Unterstützung hat sie jedoch für vorerst drei Jahre an Repower respektive SWiBi delegiert. Die Verwaltungskommission ist für strategische Angelegenheiten sowie für Führungs- und Kontrollfragen zuständig. Die Genehmigung von Kostenvoranschlägen für Betriebs- und Investitionsaufwände bleibt aber Kompetenz des Gemeinderats beziehungsweise des übergeordneten Organs, das in Brusio die Gemeindeversammlung ist.

Welche Erfahrungen haben Sie in den zwei Jahren der Kooperation mit Repower gemacht?

Die Zusammenarbeit ist ausgezeichnet. Die ausgeprägte Fachkompetenz der beiden Partner Repower und SWiBi erweist sich als grosse Unterstützung. Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Repower und der SWiBi gestaltet sich äusserst professionell und ist gewinnbringend für beide Seiten.